Es lebe die Unordnung der Fakten – Eine Antwort auf Anna Rosenwassers „Es lebe die Unordnung der Geschlechter!“

Am 3. Februar 2026 erschien in der Republik der Essay „Es lebe die Unordnung der Geschlechter!“ von Anna Rosenwasser. Darin vergleicht sie den Anstieg von Trans-Identitäten bei Jugendlichen mit der historischen Zunahme von Linkshändern und behauptet, es handle sich um einen „Trend“, der nun wieder abklinge.

Linkshändigkeit wurde jahrhundertelang unterdrückt. Sogar Maschinen und Werkzeuge, von Schreibmaschinen über Scheren bis hin zu Werkbänken und Schulbänken, wurden fast ausschliesslich für Rechtshänder gebaut. Die Industrialisierung verstärkte diese Ausrichtung auf Rechtshänder massiv.

Das ist aus mehreren Gründen ein falscher und irreführender Vergleich:

  1. Kein medizinischer Eingriff nötig

    Linkshändigkeit erfordert nichts, keine Hormone, keine Operationen, keine lebenslange Medikation. Transidentität im affirmativen Modell führt bei Jugendlichen oft direkt zu Pubertätsblockern, Cross-Sex-Hormonen und ggf. Operationen. Diese Eingriffe sind irreversibel (Infertilität, Knochenmineraldichte-Verlust, sexuelle Dysfunktion, erhöhtes Krebsrisiko etc.). Die Cass Review (UK, 2024) kommt zum Schluss: Die Evidenz für Nutzen ist sehr schwach bis fehlend, die Risiken sind hoch, und es gibt keine gute Langzeitstudie, die zeigt, dass diese Behandlungen psychische Gesundheit langfristig verbessern oder Suizid verhindern.
  2. Stabile vs. explosionsartige Prävalenz:

    Linkshändigkeit hat sich nie explosionsartig vervielfacht. Bei Geschlechtsdysphorie (besonders „rapid-onset gender dysphoria“/ROGD) gab es in westlichen Ländern einen Anstieg um mehrere tausend Prozent in den letzten 15 Jahren , vor allem bei Mädchen in der Pubertät, die vorher nie Geschlechtsdysphorie zeigten. Das deutet stark auf soziale Ansteckung hin (Social Media, Peer-Groups, TikTok-Trends). Studien zu ROGD (Littman 2018 und Folgestudien) zeigen: Viele Betroffene haben vorherige psychische Probleme (Autismus, Depression, Trauma, internalisierte Homophobie), und der „Trans“-Schritt tritt oft gleichzeitig mit Freundinnen oder nach intensiver Online-Exposition auf.
  3. Komorbiditäten und Desistenz

    Bei Kindern mit früher Geschlechtsdysphorie desistiert die Mehrheit (ca. 80–90 %) spontan bis zur Pubertät, wenn man nicht interveniert (ältere Studien). Bei Jugendlichen mit plötzlicher Dysphorie ist die Lage noch unklarer. Viele haben schwere psychische Komorbiditäten, die zuerst behandelt werden müssten. Linkshändigkeit hat keine solchen Begleiterkrankungen.
  4. Ethische und medizinische Konsequenzen

    Bei Linkshändigkeit wurde die „Therapie“ (Umerziehung) als schädlich erkannt und aufgegeben. Bei Geschlechtsdysphorie bei Minderjährigen wird genau das Gegenteil gemacht: schnelle Affirmation und Medikalisierung, obwohl die Evidenz fehlt (Cass Review, schwedische, finnische, norwegische, englische Leitlinienänderungen seit 2020–2024). Länder, die früher führend affirmativ waren, haben inzwischen stark zurückgefahren oder verboten (Pubertätsblocker nur noch in Studien).

Begriffsverwirrung – sogar Rosenwasser gibt es zu

Rosenwasser schreibt selbst: „Die Angelegenheit wäre wirklich weniger verwirrend, wenn nicht sogar Politologen und Journalistinnen die Begriffe durcheinanderbringen würden.“

Genau das ist das Problem. Viele klassische Lesben- und Schwulenorganisationen finden es ebenfalls verwirrend und ablehnend, unter den Überbegriff „queer“ subsumiert zu werden. Für sie geht es um sexuelle Orientierung – wen man liebt. Sie lehnen den Begriff „Geschlechtsidentität“ als solchen ab, weil er eine ideologische Konstruktion ist, die biologisches Geschlecht und sexuelle Orientierung vermischt und verwässert. Der Begriff „queer“ wird heute jedoch fast überall als politischer Sammelbegriff für Trans- und Nonbinary-Themen verwendet. Genau diese Vermischung lehnen sie entschieden ab.

Die Trendzahlen – was Rosenwasser genau sagte und warum sie irrt

Rosenwasser schreibt wörtlich: „Die einzige nationale Untersuchung, die es in der Schweiz zum Thema gibt, zeigt ein über die letzten Jahre gleichbleibendes Durchschnittsalter von 29 Jahren bei Menschen, die geschlechtsangleichende Operationen durchführen lassen.“

Das ist korrekt, aber bewusst irreführend. Sie spricht nur von Operationen und ignoriert damit den entscheidenden Teil: den massiven Anstieg bei jungen Mädchen, die überwiegend Pubertätsblocker und gegengeschlechtliche Hormone erhalten. Das Durchschnittsalter von 29 Jahren bei Operationen sagt daher überhaupt nichts über den aktuellen Trend bei Jugendlichen aus.

Die Analyse zeigt: Die oft zitierten Zürcher Zahlen stammen nur aus einer einzigen Klinik. Andere Kliniken melden weiterhin hohe oder stabile Zuweisungen. Der Trend ist noch nicht vorbei.

Der tatsächliche Anstieg – offizielle BFS-Statistik

Noch deutlicher wird es, wenn man die offizielle Statistik des Bundesamts für Statistik (BFS) anschaut. Die folgende Grafik zeigt die Anzahl der Operationen zur Geschlechtsangleichung (Frau zu Mann) in der Schweiz von 2016 bis 2022, aufgeteilt nach Altersgruppen:

Der Anstieg ist dramatisch. Besonders in den Altersgruppen 18–24 und 25–29 explodieren die Zahlen. Aber auch in den jüngeren Gruppen (15–17 und sogar 10–14 Jahre) ist ein klarer Aufwärtstrend erkennbar. Während Rosenwasser betont, dass es 2018 null und 2024 nur vier Operationen bei Minderjährigen gab, zeigt die BFS-Statistik: Der Trend bei jungen Frauen ist keineswegs vorbei – er setzt sich fort und betrifft auch immer jüngere Patientinnen.

Unsere Beschwerde bei der Gesundheitsdirektion

Rosenwasser wirft uns vor, die betroffenen Kinder gäbe es gar nicht, es handle sich um „angebliche Eltern“, von denen später herausgekommen sei, dass „keine der Personen ein Kind hat, das eine Behandlung erhalten hätte“.

Das ist falsch. Seit September 2023 haben wir als reale, betroffene Eltern mehrfach schriftlich und persönlich mit der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich korrespondiert. Fünf Zitate aus unseren Briefen und Mails:

  1. Soziale Transition: „Die soziale Transition unserer Kinder wurde von den Ärzten sofort vollzogen und empfohlen, ohne Einbeziehung der Eltern und ohne eine vorausgehende genaue Beurteilung.“ (Elternbrief Sept. 2023)
  2. Suizidgefahr: „Die Suizidgefahr wurde systematisch von den ersten Gesprächen an hervorgehoben, um auf ein sofortiges Handeln zu drängen. Für uns Eltern waren diese Aussagen ein unerträgliches Druckmittel.“ (Mutter, 2023)
  3. Selbstdiagnose: „Die Selbstdiagnose der Jugendlichen wurde unhinterfragt übernommen. Informationen von uns Eltern über Trauma, Mobbing oder frühere Probleme wurden ignoriert.“ (Vater, 2024)
  4. Pubertätsblocker: „Wir können belegen, dass Druck ausgeübt wurde, Pubertätsblocker zu nehmen. Es wurde uns gesagt: ‚Lieber ein lebender Junge als ein totes Mädchen.‘ Vor- und Nachteile wurden nie ausführlich besprochen.“ (Mutter, 2024)
  5. Hormone: „Ein entscheidender Mangel bei den Abklärungen der Gesundheitsdirektion ist, dass die Behandlungen mit Hormonen offenbar nicht überprüft wurden. Die Hormonbehandlung ist eine sehr einschneidende Massnahme, die in den gesunden Körper eingreift – mit massiven langfristigen Wirkungen und unklarem Nutzen-/Risiko-Verhältnis (fehlende Evidenz).“ (Eltern an Nadja Weir, 8. Juli 2024)

Fazit

Trans-Identität bei Jugendlichen ist kein harmloser „Trend“ wie die Normalisierung von Linkshändern nach dem Verbot der Umerziehung. Es ist ein komplexes Phänomen mit starkem sozialem Einflussfaktor und einer sehr schwachen Evidenzlage für den langfristigen Nutzen von Pubertätsblockern, Hormonen und Operationen.

Der Vorwurf, kritische Eltern kämen aus „evangelikalen Kreisen“, wurde bereits im Februar 2024 im Republik-Artikel von Ronja Beck erhoben und von uns explizit zurückgewiesen. Die betroffenen Eltern kommen aus allen politischen und weltanschaulichen Lagern. Die Unterstellung dient nur dazu, die Kritik zu diskreditieren, statt sie inhaltlich zu prüfen.

Die vollständige Korrespondenz mit der Gesundheitsdirektion Zürich werden wir zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlichen.

Wir Eltern fordern nur die gleiche Sorgfalt, die in jedem anderen medizinischen Bereich selbstverständlich ist.

Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK). Die AUFG reagiert.

Am 16. Dezember 2024 hat die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) eine Stellungnahme zum Thema „Medizinische Behandlung von Minderjährigen mit Geschlechtsdysphorie – ethische und rechtliche Überlegungen“ (Stellungnahme Nr. 43/2024) veröffentlicht.

Obwohl der Bericht die gesellschaftliche Intoleranz gegenüber der Nichtkonformität mit Geschlechterstereotypen aufzeigt, stützt sich der NEK-Bericht auf das Argument der Persönlichkeitsrechte, um das Recht junger Menschen, die sich in ihrer Haut unwohl fühlen, zu unterstützen, über chemische und chirurgische Körpermodifikationen zu entscheiden, deren Relevanz und Implikationen auf ethischer und medizinischer Ebene umstritten sind.

Eine Debatte, die im betreffenden Bericht weitgehend fehlt, weshalb die AUFG zwei bioethische Experten : Dr. Jilles Smids (Postdoktorand und Dozent am Department für Medizinische Ethik, Philosophie und Medizingeschichte des Erasmus MC in Rotterdam. Seine Forschung liegt an der Schnittstelle von Bioethik und Technikphilosophie) und Prof. Didier Sicard (ehemaliger Präsident des französischen Nationalen Ethikbeirats) gebeten hat, ihre Meinung zu dem von der NEK erstellten Bericht abzugeben.

Ihre Kommentare beleuchten die Position der NEK kritisch. (Lesen Sie den Kommentar von Dr. Jilles Smids; lesen Sie den Kommentar von Prof. Didier Sicard ).

Darüber hinaus hat unser Verein, um den Entstehungsprozess der Stellungnahme zu verstehen, einen Antrag auf Informationszugang gemäß dem Gesetz über die Transparenz von Daten gestellt. Die von uns erhaltenen Diskussions- und Interviewprotokolle (hier lesen) bestätigen, was auch die Expertenkommentare hervorheben: dass das wichtige Beratungsgremium NEK, dessen erklärtes Ziel in dieser heiklen Angelegenheit war, „zu einem objektiveren, evidenzbasierten und konstruktiven öffentlichen Diskurs beizutragen und Orientierungspunkte für die Erleichterung komplexer Entscheidungen in der medizinischen Praxis zu bieten“, eine schlampige Arbeit geleistet hat, die durch die Schwäche der wissenschaftlichen Argumente und ideologische Voreingenommenheit diskreditiert wird.

AUFG fordert die Überarbeitung dieser Stellungnahme auf der Grundlage ausgewogener und aktualisierter Informationen. Sie fordert, dass sich eine neutrale und wissenschaftliche Instanz – wie die Ethikkommission der SAMW – dieses Themas annimmt, damit evidenzbasierte Leitlinien, die das Vorsorgeprinzip respektieren, zur Orientierung der Praxis in der Schweiz erarbeitet werden.

Kommentar von Prof. Didier Sicard zu „Medizinische Behandlung von minderjährigen Personen mit einer Geschlechtsdysphorie – Ethische und rechtliche Erwägungen“ von NEK-CNE

Originalversion auf FranzösischKI-übersetzte Version auf Englisch KI-übersetzte Version auf Deutsch (in Kürze verfügbar)

Am 16. Dezember 2024 hat die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (CNE) eine Stellungnahme zum Thema „Medizinische Behandlung von Minderjährigen mit Geschlechtsdysphorie – ethische und rechtliche Überlegungen“ (Stellungnahme Nr. 43/2024) veröffentlicht.

Obwohl der Bericht die gesellschaftliche Intoleranz gegenüber der Nichtkonformität mit Geschlechterstereotypen aufzeigt, stützt sich der NEK-Bericht auf das Argument der Persönlichkeitsrechte, um das Recht junger Menschen, die sich in ihrer Haut unwohl fühlen, zu unterstützen, über chemische und chirurgische Körpermodifikationen zu entscheiden, deren Relevanz und Implikationen auf ethischer und medizinischer Ebene umstritten sind.

Eine Debatte, die in dem betreffenden Bericht weitgehend fehlt, weshalb die AUFG zwei Bioethik-Experten gebeten hat: Dr. Jilles Smids (Postdoktorand und Dozent am Institut für Medizinethik, Philosophie und Medizingeschichte des Erasmus MC in Rotterdam. Seine Forschung liegt an der Schnittstelle von Bioethik und Technikphilosophie) und Prof. Didier Sicard (ehemaliger Präsident des französischen Nationalen Ethikbeirats), ihre Stellungnahme zu dem von der CNE erstellten Bericht abzugeben.

Ihre Kommentare beleuchten die Position der CNE kritisch.

Des Weiteren hat unser Verband, um den Entstehungsprozess der Stellungnahme zu verstehen, einen Antrag auf Informationszugang gemäß dem Gesetz über die Datentransparenz gestellt. Die von uns erhaltenen Diskussions- und Interviewprotokolle (hier lesen) bestätigen, was auch die Expertenkommentare hervorheben: dass das wichtige Beratungsgremium NEK, dessen erklärtes Ziel in dieser heiklen Angelegenheit war, „zu einem objektiveren, evidenzbasierten und konstruktiven öffentlichen Diskurs beizutragen und Orientierungspunkte zur Erleichterung komplexer Entscheidungen in der medizinischen Praxis zu bieten“, eine schlampige Arbeit geleistet hat, die durch die Schwäche der wissenschaftlichen Argumente und ideologische Voreingenommenheit diskreditiert wird.

AUFG fordert die Überarbeitung dieser Stellungnahme auf der Grundlage ausgewogener und aktualisierter Informationen. Sie fordert, dass sich eine neutrale und wissenschaftliche Instanz – wie die Ethikkommission der SAMW – dieses Themas annimmt, damit evidenzbasierte Leitlinien, die das Vorsorgeprinzip respektieren, zur Orientierung der Praxis in der Schweiz erarbeitet werden.


Link zur Präsentation des Gutachtens der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) zur medizinischen Behandlung von Minderjährigen mit Geschlechtsdysphorie.

Laden Sie die Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (CNE) zur medizinischen Behandlung von Minderjährigen mit Geschlechtsdysphorie herunter.

Kommentar zu „Medizinische Behandlung von minderjährigen Personen mit einer Geschlechtsdysphorie – Ethische und rechtliche Erwägungen von NEK-CNE

Jilles Smids, 18.01.2025

Originalversion in EnglischKI-übersetzte Version in Französisch KI-übersetzte Version in Deutsch


Link zur englischen Präsentation des Gutachtens der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) zur medizinischen Behandlung von Minderjährigen mit Geschlechtsdysphorie.

Laden Sie die Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK) zur medizinischen Behandlung von Minderjährigen mit Geschlechtsdysphorie herunter. (Die deutsche Version finden Sie auch auf dieser Website.)

Die verlorenen Töchter: Elternstimmen in der NZZ

Als Verein für einen angemessenen Umgang mit Fragen zum Geschlecht bei jungen Menschen (AMQG/AUFG) begrüssen wir den Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung vom 16. Dezember 2025. Der Artikel von Birgit Schmid gibt betroffenen Eltern eine Stimme und hebt die Notwendigkeit evidenzbasierter Abklärungen sowie elterlicher Mitsprache hervor. Das Kernanliegen unseres Vereins seit der Gründung 2021 in Genf und der Deutschschweiz.

Kerninhalte des Artikels

Der Beitrag beschreibt Treffen unserer Selbsthilfegruppe in Zürich, wo Eltern von plötzlicher Genderdysphorie (Rapid Onset Gender Dysphoria, ROGD) bei ihren Töchtern berichten. Diese wird oft auf soziale Einflüsse wie Social Media zurückgeführt. Im Gegensatz zu affirmativen Narrativen thematisiert er familiäres Leiden, Entmachtung durch Kliniken und irreversible Folgen wie Hormontherapien.

Beispielhaft ist die Geschichte von Lori Meier (Pseudonym), unserer Gruppenleiterin: Ihre Tochter Alex zeigte in der Kindheit keine Dysphorie, entwickelte aber in der Pubertät Symptome wie Depressionen und ADHS. Nach schneller Diagnose in der KJPP Zürich folgte eine soziale Transition und Testosterontherapie im USZ. Meier kritisiert die Übergehung psychischer Komorbiditäten; Studien zeigen anhaltende Suizidalität bei über 50 Prozent der Jugendlichen auch nach Transition.

Der Artikel betont den Trend zu 80 Prozent betroffener Mädchen und internationale Entwicklungen wie Verbote von Pubertätsblockern (z.B. NHS-Cass-Report 2024). Kliniken wie KJPP und USZ betonen Abklärungen, doch Eltern erleben Druck und Ausgrenzung.

Detransition, Bestandsaufnahme in der Schweiz

Die Eltern der AMQG haben es immer wieder gehört: Die Detransition betreffe 1 % der „transgender“ Jugendlichen. Und doch beginnen seit einigen Jahren, bei uns wie anderswo, die Geschichten von Personen, die ihre Medizinalisierung bereuen und ihre „transgender“ Identität aufgeben, aufzutauchen.

Im Jahr 2021 veröffentlichte Janick Christen sein Buch Ich glaubte, ein Mann zu sein. Sie können ein  Interview hier anhören.

Im Jahr 2022 gibt Lou, die junge Frau, die die Gründung des Vereins initiiert hat, bekannt, sich mit ihrem Körper und ihrem Geschlecht versöhnt zu haben. Im neuesten Buch von Caroline Eliacheff und Céline Masson,  Der Eid des Hippokrates. Sie und ihr Vater liefern einen gemeinsam verfassten Bericht, der den unerträglichen Druck zeigt, der von einem transaffirmativen Umfeld auf das familiäre Milieu ausgeübt wird.

Im selben Jahr vertraut Christelle, eine junge Detransitioniererin, der AMQG ihr Zeugnis an: „Geschlechtsreise. Seit einigen Monaten fühle ich mich wohl in meiner Haut.“ Nachdem sie sich drei Jahre lang als Junge identifiziert hatte, ohne dass ihre Eltern davon wussten, versöhnt sie sich mit ihrem Geschlecht.

Im März 2023 warf die RTS mit ihrer Sendung Temps Présent, Sie haben ihr Geschlecht geändert und bereuen es, die Jugendlichen zu Wort kommen lässt, die ihre „Geschlechtsumwandlung“ bereuen, sei sie sozial und/oder medizinisch. Boykottiert und von transaktivistischen Verbänden heftig verunglimpft, sammelte der Bericht über eine Million Aufrufe auf YouTube, bevor die RTS ihren Kanal schloss.

Im Januar 2024 ist es an der SRF, die Stimme Jugendlichen zu geben, die es bereuen; Melie und Cédric berichten darin. Mise au Point greift das  Thema auf der RTS wieder auf.

Im August 2024 ein Donnerschlag: Die Schweizer „transsexuelle“ Ikone, Nadia Brönimann, gibt bekannt, ihren „Geschlechtswechsel“ nach 29 Jahren zu bereuen. Nadia wird wieder zu Chris und erklärt, dass er ein homosexueller Mann ist und dass  seit drei Jahren er sich immer mehr von Nadia distanzierte.

Chris Brönimann startet die Instagram-Seite detrans_schweiz , die die aktuellen Entwicklungen der Detransition weltweit erfasst. Er führt einen  X-Account, auf dem er seine Gedanken zum Thema darlegt, und gibt zahlreiche Interviews (auf Deutsch).

Im September 2024 die Walliserin Lyo Kessler, die bisher anonym ausgesagt hatte, vertraut dem Nouvellisten ihre Reue an, gesunde Organe entfernt bekommen zu haben. Seitdem  kämpft öffentlich für anzuprangern, die sogenannte Gendermedizin und die Ideologie, die sie unterstützt.

Das Projekt des Fotografen Matthieu Zellweger „Die Fortsetzung der Reise. Wege der Detransition „ bietet eine intime Reflexion über das Thema des Bedauerns im Zusammenhang mit der sogenannten geschlechtsbejahenden Medizinalisierung. Seine Fotografien von Lyo Kessler und Chris/Nadia Brönimann illustrieren den Artikel des Illustré vom Februar 2025 über die Detransition.

Diese öffentlichen Beispiele sind nur die Spitze des Eisbergs.

Seit der Gründung unseres Vereins im Jahr 2021 hat sich ein Drittel der als „transgender“ diagnostizierten Jugendlichen mit ihrem Geschlecht versöhnt. Zwei Studien  deutsche und amerikanische jüngste Studien, basierend auf den Daten von Millionen von Versicherten, zeigen, dass 50 bis 75 % der betroffenen Jugendlichen nach fünf Jahren keine Diagnose „Geschlechtsdysphorie“ F64 mehr aufweisen. Angesichts der offensichtlich geringen Persistenz dieser Diagnose bei Jugendlichen – im Einklang mit der bekannten Unbeständigkeit der Jugend – ist der intensive Druck auf die Eltern, oft irreversible Behandlungen zuzulassen, ungerechtfertigt und schädlich.

Gemäss ESCAP, der Europäischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, bedeutet der aktuelle Wissensstand zum Phänomen der Jugendlichen, die sich als gegengeschlechtlich bezeichnen, dass es vorzuziehen ist, eine Haltung des wachsamen Abwartens einzunehmen, anstatt auf Behandlungen mit schwerwiegenden Folgen zurückzugreifen. SSPPEA, der  Schweizerischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, die dieser Dachorganisation angeschlossen ist, hat diese Position übernommen. Die Vorsicht der Eltern ist daher gerechtfertigt, und es ist untragbar, dass die legitime Schutzpflicht der Erziehungsberechtigten missachtet wird.

Kinder und junge Erwachsene, die ihren Körper ablehnen, verdienen eine evidenzbasierte und ideologiefreie professionelle Unterstützung, wie es in jedem anderen Bereich der Medizin der Fall ist. Unterzeichnen Sie unseren  Aufruf zur Einhaltung des Vorsorgeprinzips.

Die weitere Reise, Wege nach der Transition

Die weitere Reise, Wege nach der Transition

Ein Fotoprojekt von Matthieu Zellweger

https://matthieuzellweger.com/fr/photographies/la-suite-du-voyage

Artikel in L’Illustré vom 27. Februar 2025

„Niemand weiß genau, wie viele Menschen betroffen sind. Wenige sind bereit, offen zu sprechen, aus Angst vor Ächtung oder Ablehnung. Es ist in der Praxis nicht einfach, sich aus einer Minderheit zu lösen, um sich einer noch kleineren Minderheit anzuschließen, und das in einem gesellschaftlichen Kontext, der die erste feiert und „bestätigt“, während er die zweite unsichtbar macht. Es ist auch nicht einfach, offen zu einem Irrtum mit oft schwerwiegenden Folgen zu stehen und ins Ungewisse zu tauchen, in einen Bereich, in dem niemand weiß, was das Leben bietet oder nimmt.“

Sicher ist, dass diese Menschen existieren und ihre Zahl zunimmt. Sie haben gemeinsam, dass sie eine medizinische oder chirurgische Geschlechtsangleichung vorgenommen und sich irgendwann entschieden haben, diesen Weg zu verlassen. Sie haben die Hormonbehandlungen eingestellt und sich mit sich selbst versöhnt. Soweit möglich, haben sie auch ihrer Geburtsphysiologie wieder die Oberhand gelassen. Chirurgische Eingriffe sind selbstverständlich endgültig.

Dann beginnt ein langer Weg. Keine Rückkehr, keine Detransition, nur ein Weg voller Fragen zu einer Realität, die niemand kennt und deren Zusammenhänge erst in mehreren Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, verstanden werden. Was geschieht mit einem Organismus, der jahrelang Sexualhormone des anderen Geschlechts eingenommen hat? Wie kann man sich psychisch wieder aufbauen, wenn Körperteile, die der Fruchtbarkeit, dem Vergnügen und dem Selbstwertgefühl dienen, chirurgisch entfernt wurden? Wie kann man sich mit seinem Bild versöhnen, wenn die Gesellschaft einen als eine Person wahrnimmt, die man nicht ist? Wie kann man die Zukunft planen, wenn man nicht einmal weiß, ob die begonnenen Behandlungen kurz- oder mittelfristig einen entscheidenden Einfluss auf die Lebenserwartung haben werden?

„All diese Fragen sind unbeantwortet. Sie werden es noch lange bleiben. Doch angesichts der möglichen Zweifel, der somatischen oder psychologischen Schäden, der als einfach dargestellten und sich als schädlich erwiesenen Lösungen schlagen alle Personen, die für diese Arbeit Zeugnis abgelegt haben, einen Ansatz vor, der in ihren Erfahrungen verwurzelt ist: nachdenken, sehr detailliert nachdenken, bevor man eine Geschlechtsangleichung vornimmt.“

Matthieu Zellweger

Fotografie © Matthieu Zellweger

Dokumentarfilm-Veröffentlichung: Detransitioners, a European tragedy

Dokumentarfilm-Veröffentlichung: Detransitioners, a European tragedy




Willkommen zur Premiere unseres 40-minütigen Dokumentarfilms am 2. Oktober 2025

Die ideologische Vereinnahmung von Jugendlichen, die sich als transgeschlechtlich identifizieren, ist ein europaweites Phänomen, das insbesondere autistische und homosexuelle Jugendliche betrifft. Dieses Problem wird durch wohlmeinende, aber naive Haltungen einiger Parlamentarier bis in die höchsten institutionellen Kreise befeuert. Studien sind jedoch eindeutig: Fünf Jahre nach einer Transition entscheiden sich 75 % der Jugendlichen, die sich als trans identifizieren, für eine Detransition.

Dieser Film präsentiert die Zeugenaussagen von vier homosexuellen oder bisexuellen Personen, die in Deutschland, der Tschechischen Republik, den Niederlanden und Frankreich detransitioniert haben: Sabeth, Daniel, Tiresias und Luna müssen mit einem verstümmelten Körper leben, doch sie appellieren an die europäischen Parlamentarier mit einer Klarheit und Weisheit über ihren Weg, die Respekt abverlangt.

Interviews per Videokonferenz, realisiert und geschnitten von Sophie Robert

Mit unserem herzlichen Dank an:

  • Sabeth Blank (Deutschland)

  • Daniel Black (Tschechische Republik)

  • Tiresias (Niederlande)

  • Luna (Frankreich)

Partner :
WORIADS / YPOMONI EUROPE / CRY FOR RECOGNITION / ISOMER / NINSUN PROJECT





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Zensur, Misogynie, Verstümmelung von Minderjährigen… Homosexuelle prangern die Auswüchse der Queer-Community an

Zensur, Misogynie, Verstümmelung von Minderjährigen… Homosexuelle prangern die Auswüchse der Queer-Community an



Artikel erschienen am 28. September 2025 in der Impertinent

Die LGBTQIA+-Gemeinschaft ist tief gespalten. Homosexuelle und Bisexuelle aus aller Welt proklamieren ihre Unabhängigkeit von der Bewegung Queer, deren Einfluss sie anprangernWoke und die von der Trans-Lobby bei Kindern initiierten Auswüchse. Die Schweiz hat sich der Bewegung angeschlossen, der auch Frankreich angehört. Bericht über eine nicht ganz einvernehmliche Trennung.

Am 22. Oktober 2019 findet in einem Saal im Zentrum Londons ein geheimes Treffen von siebzig Personen statt. An diesem Abend werden Bev Jackson und Kate Harris die LGB Alliance (für Lesben, Schwule und Bisexuelle) gründen, die einige Jahre später eine offiziell anerkannte Wohltätigkeitsorganisation von internationaler Tragweite werden wird. Ursprung dieser Bewegung ist die ideologische Wende der größten europäischen Organisation für die Rechte von Homosexuellen, Stonewall, und die Unmöglichkeit für ihre Mitglieder, das zu hinterfragen, was heute von einigen als Trans-Extremismus bezeichnet wird.

„Die Vorstellung, dem zu schaden, was eine großartige Organisation gewesen war, war für uns unerträglich, aber wir waren wütend darüber, was mit der Bewegung für die Rechte von Homosexuellen geschah“, erinnert sich Kate Harris im Gespräch mit L’Impertinent. „Mit anderen Mitgliedern, die zu den gleichen Schlussfolgerungen kamen, verbrachten wir drei Jahre damit, Briefe zu verfassen, um eine Diskussion über die von der Organisation eingeschlagene Richtung zu erreichen. Es wurde uns schließlich klar, dass die Veränderung keinerlei Debatte zuließ.“ Diese Wende ist die der Geschlechtsidentität.

„Nachdem ich mich mit der Frage befasst hatte, verstand ich, dass diese Ideologie auf Absurditäten beruhte, dass sie völlig unhaltbar war, ohne faktische Grundlage, dass sie anti-wissenschaftlich, anti-Meinungsfreiheit, anti-Aufklärung war, die unsere Gesellschaften leitet, und dass sie nicht nur eine Bedrohung für Schwule und Lesben, sondern auch für die liberale Demokratie selbst darstellte“, erklärt die Aktivistin. Es folgte eine Verleumdungskampagne in den sozialen Medien, die bis in die britischen politischen Reihen reichte. Kate Harris, heute 71 Jahre alt, bewahrt eine schmerzliche Erinnerung daran: „Wir sahen Fotos von uns mit Nazi-Armbinden, Fotos von bewaffneten Personen, die uns abholen wollten. Vergewaltigungsdrohungen, Beschimpfungen als Pädophile usw. Es war unerträglich. Um ehrlich zu sein, ich glaube, ich wäre unter dem Druck gestorben, wenn Bev mich nicht unterstützt hätte. Es war die Hölle auf Erden. Und man beginnt an seinem Verstand zu zweifeln, weil die Leute einem immer wieder sagen, man sei ein fanatischer Nazi.“

Mitte September 2025, vor wenigen Tagen, wurde die LGB Alliance International ins Leben gerufen. Die Schweizer Sektion wird gegründet, neben siebzehn weiteren Ländern wie Taiwan, Australien, den Vereinigten Staaten und Frankreich. Die Scheidung ist vollzogen. In einem Video, das auf der Website der Organisation veröffentlicht wurde, erklären Homosexuelle und Bisexuelle aus aller Welt die Bedeutung der Rückkehr zu den ursprünglichen Kämpfen der Gay-Community:

In einer Pressemitteilung vom 20. September, die die Gründung der Schweizer Sektion ankündigte und – vorerst – unbeantwortet blieb, erklären die Gründer (eine Waadtländerin und ein Zürcher): „LGB Alliance Switzerland zielt darauf ab, die Interessen von LGB-Personen zu vertreten, die sich von den alten Gay-Organisationen vernachlässigt fühlen, welche sich nun vollständig den ‚Transgender‘-Fragen widmen. Alle Organisationen, die einst homosexuelle Personen vertraten, sind heute vollständig der Ideologie der ‚Geschlechtsidentität‘ verschrieben. Sowohl in der Romandie als auch in der Deutschschweiz haben sich homosexuelle Organisationen (wie Vogay, Lilith, Pinkapple Filmfestival, Queersicht) in ‚queer‘ umbenannt. Sie fördern ein Klima, in dem keine abweichende Meinung toleriert wird. Unter dem Einfluss der Ideologie der ‚Geschlechtsidentität‘ wurden heterosexuelle Männer, die sich als Lesben definieren, als Redner zu Lesbenkonferenzen oder in Podcasts des Schweizer Fernsehens eingeladen. Diese Männer beanspruchen den Zugang zu den Räumen lesbischer Frauen und zu deren Körpern. Viele junge LGB werden ermutigt zu glauben, dass sie ‚trans‘ sein müssen – und Medikamente und Operationen benötigen – anstatt einfach ihre Anziehung zu Personen des gleichen Geschlechts zu akzeptieren.“

Auf ihrer Website geht die Organisation noch weiter. „Heute entwickelt sich in der Schweiz eine neue Art von Homophobie, die etablierte LGBTQ+-Gruppen nur schwer bekämpfen können – und oft sogar noch verstärken“, ist dort zu lesen.

„Sie fördern die Vorstellung, dass das ‚Geschlecht‘, wie man sich fühlt oder kleidet, wichtiger ist als das biologische Geschlecht. Als Lesben, Schwule und Bisexuelle, deren Orientierung auf dem Geschlecht basiert, glauben wir, dass der Ersatz des biologischen Geschlechts durch das ‚Geschlecht‘ bedeutet, dass wir die Diskriminierung, der wir ausgesetzt sind, nicht mehr benennen oder beschreiben können und folglich unsere hart erkämpften Rechte abgebaut werden können“, erklärt Catherine Jelk, die Westschweizer Mitbegründerin der Schweizer Sektion.

„Als Homosexuelle wird meine Sexualität nicht respektiert“, fügt sie hinzu. „Wenn ich in einen lesbischen Raum gehe und die erste Person, die mir die Tür öffnet, ein Mann ist. Zuerst bin ich überrascht, dann traurig, dann wütend. Dies nicht zu respektieren, ist eine Form von Homophobie, nicht wahr?“

„Am Anfang ging es um die Befreiung von Lesben und Schwulen. Das ‚B‘ (für bisexuell, Anm. d. Red.) kam später hinzu“, erinnert sich Kate Harris. „Da das ‚T‘ jedoch nichts mit sexueller Anziehung zu tun hat, gibt es keinen Grund, es zu verbinden.“ Historisch setzte sich das Akronym LGBT jedoch bereits in den 1990er Jahren durch, und die Trans-Forderung ist explizit in der Plattform des großen Washingtoner Marsches von 1993 enthalten. Nationale Organisationen integrierten es bereits Ende der 1990er Jahre, und einige Gesetzgebungen schützen die Geschlechtsidentität seit 1993. Die Yogyakarta-Prinzipien (2006–2007) werden anschließend auf internationaler Ebene die Verbindung zwischen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität festigen.

„Es gibt LGBTQ+-Gemeinschaften in mehreren Schweizer Städten und Trans-Organisationen – wie Agnodis oder TGNS –, die Lobbyarbeit betreiben“, prangert Catherine Jelk an. „Die Ideologie der Transaktivisten ist in die Schulen eingedrungen. In mehreren Kantonen wurden ‚Affirmations‘-Politiken für Schüler, die sich als trans oder nicht-binär bezeichnen, eingeführt. Diese Politiken validieren diese Identitäten positiv. Doch oft sind – oder werden – diese Kinder lesbisch, bi oder schwul. Es wird Druck auf sie ausgeübt, ihren Körper, ihr Pronomen, ihre Persönlichkeit zu ändern, um sich Geschlechterstereotypen anzupassen. Ein ‚Jungenmädchen‘ oder ein eher femininer Junge wird im Erwachsenenalter häufig LGB; er braucht weder Hormone noch Operationen: Er ist perfekt, so wie er ist. Wir fordern eine öffentliche Debatte zu diesen Themen. In der Schweiz, einem demokratischen Land, das für Diskussionen bekannt ist, ist es nicht normal, dass man diese Politiken nicht debattieren kann, denn dies betrifft die gesamte Bevölkerung: Jeder hat Kinder oder kennt junge Menschen.“

Für LGB Alliance Switzerland besteht die Mission also darin, die öffentliche Debatte wiederherzustellen, aber auch eine Gemeinschaft ohne die anderen Buchstaben neu zu schaffen: Aktivitäten zu organisieren (Wanderungen, Lesegruppen, Cafés) und die Kontrolle über die LGB-Kultur und -Literatur zurückzugewinnen, die als „von Queers und Trans gekapert“ angesehen werden.

Arnaud Abel ist Präsident von Fiertés Citoyennes, einem französischen LGBT+-Verein, der keinen Unterschied zwischen sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität macht. Ihm zufolge unterliegen diese beiden Aspekte denselben Logiken: denen der sexuellen Minderheiten. Er sieht die Gründung der LGB Alliance daher als „ein Geschenk an die Reaktionäre“.

„Es gibt viel Übertreibung in der Diagnose, dass die LGBT+-Bewegungen die homosexuelle Sache ‚vergessen‘ hätten“, erklärt er. „Ich erkenne Auswüchse an, Fragen, die mit Verachtung, manchmal sogar beleidigend behandelt werden, obwohl die Fragen legitim sind. Ich bin absolut einverstanden damit, dass man sich über die Begleitung von Geschlechtsübergängen bei Minderjährigen, den Platz von Trans-Personen im Sport oder im Gefängnis Gedanken macht: Man muss darüber leidenschaftslos debattieren können. Diesbezüglich gibt es kein Problem. Aber manchmal fällt es schwer, die Grenze zwischen legitimen Fragen (die beantwortet werden müssen) und einer tief sitzenden Ablehnung von Transidentität und Trans-Personen zu ziehen. Das gibt es auch.“

„Wir alle gehören zur selben Geschichte, wir haben dieselben Feinde, dieselben Kritiker. Derselbe Hass richtet sich gegen uns. Diejenigen, die homosexuelle und trans Personen hassen, unterscheiden im Allgemeinen nicht zwischen einer Trans-Person und einer schwulen oder lesbischen Person. Die Hauptgefahren für Homosexuelle sind sicherlich nicht die Transaktivisten. Wenn Menschen auf der Straße verprügelt, in die Falle gelockt, beleidigt werden, ist das nicht ihretwegen. Wenn eine Lehrerin oder ein Schüler aufgrund ihrer sexuellen Orientierung so sehr schikaniert wird, dass sie sich das Leben nehmen, ist das sicherlich nicht wegen ‚Gender-Aktivisten‘. Lassen Sie uns die Prioritäten neu ordnen und die Dinge leidenschaftslos betrachten.“

Wir haben diesen Pariser, einen „Verfechter der Vernunft“, gefragt, ob er in der Gründung der LGB Alliance eine der Folgen eines ungezügelten Progressismus sieht, der manchmal in Zensur umschlägt: „Ja. Es gab zu radikale Reaktionen, die bei einigen Aktivisten, die schnell zu Beschimpfungen und Verurteilungen neigen, wenig Raum für Zweifel lassen“, gibt er zu. Jemanden systematisch als transphob zu bezeichnen, ohne sich die Zeit zu nehmen, zu lesen oder anzuhören, was er oder sie zu sagen hat, ist kontraproduktiv. Ja, es gibt Menschen, die der Transidentität wirklich ablehnend gegenüberstehen; aber es gibt auch berechtigte Fragen und Ängste, auf die man eine Antwort wissen muss. Wir haben in den letzten Jahren innerhalb der LGBT-Organisationen einen Mangel an Pädagogik gezeigt. Wir sind zu schnell vorgegangen, manchmal mit überzogenen Reaktionen, indem wir die Transidentität zum ultimativen, fast heiligen Kampf gemacht haben. Es ist natürlich notwendig, Transpersonen zu schützen, und es gibt auch viele andere Themen, die wir gemeinsam vorantreiben müssen, denn wenn wir nicht solidarisch und geeint sind, werden diese gesellschaftlichen Themen nicht vorankommen.“

Arnaud Abel sieht in dieser Zersplitterung der Kämpfe eine Schwächung der Anliegen, die die Gemeinschaft als Ganzes vereinen. „Ich bin besorgt: Wir verlieren an Kraft und Stärke genau in dem Moment, in dem wir zusammenhalten sollten. Wofür wir plädieren, ist, die Brüche zu heilen und wieder ins Gespräch zu kommen. Trans-Personen sind zum Sündenbock reaktionärer Bewegungen geworden. Und spiegelbildlich nutzen einige sehr radikalisierte Aktivisten diese Polarisierung, um andere Agenden voranzutreiben.“

Die einzige Lösung in seinen Augen? „Wieder lernen, miteinander zu reden, ohne diejenigen zu verachten, mit denen man nicht einverstanden ist. Die Scherben kitten, eine gemeinsame Dynamik und verbindende Kämpfe neu schaffen, anstatt zu spalten.“

Sie sagten Progressivismus?

Unter den von der LGB Alliance angeprangerten Auswüchsen findet sich die Tendenz, Frauen wieder in den Hintergrund zu drängen. „Ich denke, es gibt enorm viel Misogynie in dieser ganzen Queer-Theorie“, donnert Kate Harris. „Die Heuchelei ist außergewöhnlich. Tatsächlich hat man ihnen freie Hand gelassen, so misogyn zu sein, wie sie wollen, unter dem Deckmantel, progressiv und cool zu sein.“ Ihr zufolge wird der sexuelle Fetischismus einiger nun als Norm propagiert. Als Beweis führt sie die Studien des Psychologen Ray Blanchard an, dem Urheber des Begriffs Autogynophilie, der einen Mann beschreibt, der sich sexuell zu sich selbst als Frau hingezogen fühlt. Dieses Konzept ist in der aktuellen wissenschaftlichen Literatur und den Gesundheitsstatistiken selten dokumentiert, da es als spezifische Kategorie der Geschlechtsinkongruenz betrachtet wird.

„Wir haben so viele Jungen gesehen, die kastriert wurden und deren Körper ruiniert, deren Leben zerstört ist. So viele Mädchen, denen die Brüste entfernt wurden, obwohl sie einfach lesbisch sind“, fügt die Gründerin hinzu. „Das sind einfach Kinder, denen eine Geschichte erzählt wurde, denen eine Menge Lügen erzählt wurden und deren Leben zerstört wurde, nachdem sie brutalisiert wurden. Ich mache die Anhänger der Geschlechtsidentitätsideologie dafür verantwortlich.“

Alles, was wir zu sagen versuchen, ist, dass wir in Zukunft klare Grenzen brauchen. Denn das Nächste, was abgeschafft werden könnte, ist das Alter. Viele Queer-Aktivisten sind auch mit Personen involviert, die von Minderjährigen angezogen werden, und versuchen, Gesetze zu ändern, um Männern sexuelle Beziehungen mit Kindern zu ermöglichen. Das ist also eine weitere Sache, vor der wir uns in Acht nehmen müssen. Wir hatten im Vereinigten Königreich zahlreiche Fälle, in denen Personen, die in der Queer-Community involviert waren, sich später als Pädophile herausstellten. Erst kürzlich wurde ein Mann zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er einen 12-jährigen Jungen vergewaltigt hatte. Er war Leiter einer Pride-Organisation.“

Angesichts dieser unterschiedlichen Standpunkte bleibt eine Frage: Warum hat die Geschlechterfrage die ursprünglichen Anliegen der Gay-Community verdrängt? Wie weit reicht die wahre Macht der Trans-Lobby? Da die von einer Geschlechtsumwandlung betroffenen Personen weniger zahlreich sind als die LGB (siehe Kasten), wie lässt sich ihre Vorherrschaft innerhalb der Gemeinschaftsbewegungen erklären? Die inklusive Antwort scheint etwas kurz zu greifen.

Obwohl sie zugibt, sich diese Frage jeden Tag zu stellen, liefert Kate Harris eine Erklärung: „Ich denke, LGB-Organisationen wie Stonewall hatten alle ihre Ziele erreicht. Sie hatten Gleichheit in Bereichen wie Adoption, Dienst in den Streitkräften, Ehe für alle erreicht… Was konnten sie noch tun? Transsexuelle sahen darin eine Gelegenheit: Wenn sie sich an die LGB-Bewegung klammerten, die in den Vereinigten Staaten, Kanada, dem Vereinigten Königreich, Europa usw. so gut funktionierte, würde ihnen das eine Macht verleihen, die sie nicht hatten. Ich denke, viele Leute haben die Hinzufügung des ‚T‘ mit einem neuen Schritt im menschlichen Fortschritt verwechselt.“

Seit 2022 stuft die WHO „Geschlechtsinkongruenz“ nicht mehr als psychische Störung in ihrer großen medizinischen Liste ein. Dies diente mehreren Ländern als Unterstützung, um ihre Gesetze oder Regeln zu ändern (Personenstand, Zugang zur Gesundheitsversorgung, Erstattungen). Anschließend vergleichen Rankings wie die Rainbow Map von ILGA-Europe die Länder und üben Druck aus, um „besser zu werden“. Schließlich erzeugen Kontroversen über Frauensport, Schule oder Gesundheit viel Aufmerksamkeit: Algorithmen und Medien verstärken diese sehr spaltenden Themen, was ihnen eine viel größere Sichtbarkeit verleiht als die tatsächliche Anzahl der betroffenen Personen.

Schließlich ist der Einfluss von Interessenvertretungen real, aber umstritten: Einige Institutionen haben ihre Partnerschaften angepasst (z. B. die BBC, die das Stonewall-Programm verließ), ein Zeichen dafür, dass die Debatte über Methoden und Umfang offen ist. Ergebnis: Die „Trans-Frage“ nimmt heute einen beträchtlichen Raum ein, nicht weil die Gemeinschaft die Mehrheit stellen würde, sondern weil ihre Herausforderungen neu, international normiert und hochgradig konfliktträchtig sind – und somit medial sehr präsent.

Für Kate Harris spielt auch die Frage des Gewinns der Pharmaunternehmen eine Rolle: „Wenn Sie als Kind Pubertätsblocker nehmen, dann zu Hormonen des anderen Geschlechts wechseln und sich dann einer Operation unterziehen, müssen Sie Ihr ganzes Leben lang Medikamente nehmen“, erklärt sie.

Im Aufschwung

Im Rahmen dieser Untersuchung haben wir versucht, Stellungnahmen von Voqueer (ehemals Vogay), Lestime, der Föderation der LGBTIQ+-Verbände und der Organisation der Lesben in der Schweiz (LOS) einzuholen. Niemand fand die Zeit, uns zu antworten. Ich bin daher, wider Willen, dazu verurteilt, in Unkenntnis zu bleiben (siehe Kasten).



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Studien zur psychischen Gesundheit und zum Suizidrisiko bei trans-identifizierenden / „nicht-binären“ Jugendlichen verstehen

Studien zur psychischen Gesundheit und zum Suizidrisiko bei trans-identifizierenden / "nicht-binären" Jugendlichen verstehen


Es gibt zahlreiche Studien über transidentifzierende oder „nicht-binäre“ Jugendliche und das Risiko von Suizidgedanken, Suizidversuchen oder Depressionen. Es gibt jedoch wichtige Einschränkungen: Die Zahlen müssen mit Vorsicht interpretiert werden.

1) Wie Studien durchgeführt werden

  • Selbstberichtete Fragebögen: Viele Studien fragen Jugendliche, ob sie Suizidgedanken oder Suizidversuche hatten. Vorteil: grosse Abdeckung. Einschränkung: Was der Jugendliche angibt, kann je nach Kontext und Erinnerung variieren.
  • Krankenakten / Krankenhausaufenthalte: Einige Studien verwenden dokumentierte Suizidversuche oder Einweisungen wegen Selbstverletzung. Vorteil: objektive Daten. Einschränkung: Berücksichtigt keine nicht gemeldeten Suizidgedanken und erfasst nur das, was in Krankenhäusern behandelt wird.
  • Mortalitätsregister: Ermöglichen die Messung von Suiziden, dies ist jedoch bei diesen Populationen in grossem Maßstab selten. Die Zahlen existieren hauptsächlich in bestimmten Ländern (z.B. Skandinavien), bleiben aber gering und unsicher.

2) Die wichtigsten Verzerrungen und Einschränkungen

  • Nicht-repräsentative Stichproben: Viele Studien stammen aus klinischen oder gemeinschaftlichen Stichproben (LGBTQ+-Netzwerke), was Jugendliche in Not überrepräsentiert.
  • Unterschiedliche Massnahmen je nach Studien : Definition von « trans », « nicht-binär », Untersuchungszeitraum, Arten von Fragen zu Selbstmordgedanken oder -versuchen… → schwierig, die Zahlen zu vergleichen.
  • Querschnittsstudien: Machen „eine Momentaufnahme“ zu einem bestimmten Zeitpunkt, daher kann keine Kausalität hergestellt werden (z.B. Stigmatisierung → Suizidrisiko).
  • Daten zu Detransition und chirurgischem Bedauern: Kurze oder unterbrochene Nachbeobachtungen, Verluste in der Nachverfolgung. Die bekannten Raten (~1 % für chirurgisches Bedauern) sind nicht generalisierbar, und die tatsächliche Detransitionsrate ist unbekannt und könnte in den kommenden Jahren steigen.
  • Politisierung des Themas: Einige Studien mit spektakulären Ergebnissen erregen mehr Aufmerksamkeit als nuancierte Studien.

3) Suizidgedanken vs. tatsächliche Suizidversuche

  • Suizidgedanken: Hauptsächlich von Jugendlichen selbst berichtet. Dies weist auf ihr Leid hin, ist aber nicht dasselbe wie ein Suizidversuch.
  • Suizidversuche: Einige werden selbst berichtet, andere sind in Krankenhäusern dokumentiert. Die Zahlen variieren je nach Methode.
  • Suizidtodesfälle: Sehr selten in Registern und bei TGD-Jugendlichen schwer präzise zu messen.

4) Detransition / chirurgisches Bedauern

  • Bedauern nach Operation: Niedrige Rate (~1 %), aber begrenzte Studien und hauptsächlich an operierten Erwachsenen. Wenig verlässliche Informationen über Jugendliche oder solche, die nur mit Hormonen behandelt werden.
  • Soziale oder medizinische Detransition: Prävalenz unbekannt, heterogene Studien, variable Definitionen.

5) Praktische Empfehlungen für Eltern

  • Dem Leid zuhören und es ernst nehmen: Suizidgedanken sind ein wichtiges Signal.
  • Vorsicht vor irreversiblen Eingriffen: Zuerst psychologische und soziale Unterstützung bevorzugen.
  • An veränderbaren Faktoren arbeiten: familiäre Unterstützung, Reduzierung von Stigmatisierung, Raum zur Identitätsfindung.

Diese Faktoren verringern das Suizidrisiko erheblich.

Wichtige Referenzen:

  • Russell ST, Pollitt AM, Li G, Grossman AH. Chosen Name Use Is Linked to Reduced Depressive Symptoms, Suicidal Ideation, and Suicidal Behavior Among Transgender Youth. J Adolesc Health. 2018;63(4):503-505. PubMed
  • Thoma BC, et al. Suicidality disparities among transgender youth: Risk and protective factors. J Adolesc. 2019;74:82-97. PubMed
  • Olson KR, et al. Mental health of transgender children who are supported in their identities. Pediatrics. 2016;137(3):e20153223. PubMed


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